Frau mittleren Alters lacht mit einem Glas Wasser in der Hand an einem Gartentisch im Gegenlicht

Was ist Magnesium Bisglycinat?

Fachlich geprüft von

Du hast Magnesium Bisglycinat schon auf etlichen Dosen gelesen, weißt aber nicht, ob die Zahlen darauf überhaupt stimmen können? Dann geht es Dir wie den meisten. Genau hier lohnt der Blick auf eine einzige Zahl.

Magnesium Bisglycinat ist eine Verbindung aus Magnesium und der Aminosäure Glycin. Sie gehört zu den organischen Magnesiumformen und ist in der EU als Magnesiumquelle für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen.

Das Interessante daran ist eine Zahl, die kaum jemand kennt, die aber jede Kaufentscheidung beeinflussen sollte: In reinem Magnesium Bisglycinat stecken maximal rund 14 Prozent Magnesium. Diese 14 Prozent ergeben sich aus dem Verhältnis der Masse des Magnesiums zur Gesamtmasse des Moleküls; kleinere Abweichungen entstehen nur dadurch, mit welchen Werten man rechnet und ob Kristallwasser einbezogen wird. Der Rest ist Glycin. Warum das so ist, warum daran auch der beste Hersteller nichts ändern kann und was es bedeutet, wenn auf einer Dose trotzdem 20 Prozent stehen, erfährst Du hier.

Das Wichtigste auf einen Blick

Magnesium Bisglycinat besteht aus einem Magnesium-Ion und zwei Glycinat-Ionen. Die zwei Glycinat-Bausteine wiegen zusammen sechsmal so viel wie das Magnesium. Deshalb sind in der fertigen Verbindung nur 14,1 Prozent Magnesium enthalten; bei den handelsüblichen Rohstoffen sind es wegen des gebundenen Wassers meist zwischen 11 und 14 Prozent.

Das ist keine Frage der Qualität, sondern der Stöchiometrie, also des festen Massenverhältnisses im Molekül. Wer mehr angibt, hat entweder falsch gerechnet oder eine zweite Magnesiumverbindung mit im Pulver.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Magnesium Bisglycinat und woraus besteht es?
  2. Warum stecken nie mehr als 14 Prozent Magnesium drin?
  3. Was bedeutet es, wenn auf dem Etikett 18 oder 20 Prozent stehen?
  4. Warum sind 1.000 mg auf der Dose nicht 1.000 mg Magnesium?
  5. Wird Magnesium Bisglycinat wirklich besser aufgenommen?
  6. Wie viel Magnesium am Tag ist sinnvoll?
  7. Woran Du ein ehrliches Magnesium Bisglycinat erkennst
  8. Häufige Fragen

Was ist Magnesium Bisglycinat und woraus besteht es?

Magnesium kommt in Nahrungsergänzungsmitteln nie in elementarer Form vor, sondern immer nur als Ion. Als reines Metall ist Magnesium chemisch durchaus brauchbar, zur Einnahme aber nicht: Es reagiert sehr bereitwillig mit Sauerstoff, Wasser und Säure, also auch mit Magensäure.

In der Verbindung liegt Magnesium deshalb als positiv geladenes Teilchen vor und braucht einen Partner, der diese Ladung ausgleicht. Dieser negativ geladene Partner heißt Anion, und er entscheidet, wie das Produkt später heißt.

Ist der Partner Sauerstoff, entsteht Magnesiumoxid. Ist es Zitronensäure, entsteht Magnesiumcitrat. Und ist es die Aminosäure Glycin, entsteht eben Magnesium Bisglycinat.

Glycin ist die kleinste Aminosäure, die der Körper kennt. Sie ist ein ganz normaler Eiweißbaustein und kommt in jedem Stück Fleisch und in jeder Gelatine vor. Zwei dieser Glycin-Bausteine legen sich um das Magnesium wie zwei Hände um einen Kieselstein. Genau deshalb heißt die Verbindung "Bis"-Glycinat: "bis" bedeutet zwei.

Was bedeutet "Chelat"?

Auf vielen Dosen steht das Wort "Chelat". Es kommt vom griechischen Wort für Krebsschere. Gemeint ist, dass der Partner das Mineral nicht nur an einer Stelle berührt, sondern es an zwei Punkten gleichzeitig festhält, wie eine Zange.

Wichtig zu wissen: "Chelat" beschreibt nur die Bauform des Moleküls. Es ist kein Qualitätssiegel und sagt für sich genommen noch nichts darüber aus, wie gut der Körper das Mineral aufnimmt. Was dazu tatsächlich untersucht ist, liest Du weiter unten.

Ist Magnesiumglycinat dasselbe?

Dasselbe. Beide Bezeichnungen stehen in den chemischen Datenbanken für exakt dieselbe Substanz; die wissenschaftliche Stoffdatenbank PubChem führt "Magnesiumglycinat", "Magnesiumbisglycinat" und "Magnesiumdiglycinat" als Synonyme eines einzigen Eintrags.

Wer Dir erklärt, das eine sei die hochwertige und das andere die minderwertige Variante, verkauft Dir eine Geschichte und hat wenig Ahnung von Chemie.

Warum stecken nie mehr als 14 Prozent Magnesium drin?

Jetzt zum Kern. Und keine Sorge, die Rechnung passt in drei Zeilen.

Die Rechnung in drei Zeilen

Stell Dir das Molekül als eine Reisegruppe vor. Ein einziger Passagier, das Magnesium, wird von zwei Begleitern flankiert, den beiden Glycinat-Bausteinen. Das Problem: Die Begleiter sind deutlich schwerer als der Passagier.

Bestandteil Anzahl Masse in g/mol
Magnesium 1 24,3
Glycinat-Baustein 2 148,1 (also 74,1 je Stück)
Gesamtes Molekül 172,4

Rechne 24,3 g/mol geteilt durch 172,4 g/mol. Die Einheiten kürzen sich weg, übrig bleibt 0,141, also 14,1 Prozent.

Anders gesagt: Von sieben Portionen Magnesium Bisglycinat ist genau eine Portion Magnesium. Die anderen sechs sind Glycin.

Zwei Glasschalen mit weißem Pulver veranschaulichen das Verhältnis: links die Rohstoffmenge, rechts der darin enthaltene Magnesiumanteil

Dieses Verhältnis ist durch die Verbindung selbst festgelegt. Es lässt sich durch kein Herstellungsverfahren, keinen teureren Rohstoff und keine bessere Fabrik verändern.

Warum es in der Praxis meist nur 11 bis 14 Prozent sind

Der Wert von 14,1 Prozent gilt für die vollkommen trockene Verbindung. Reale Rohstoffe binden fast immer etwas Wasser in ihrer Kristallstruktur. Dieses Wasser wiegt mit, liefert aber kein Magnesium.

Die gängige Handelsform ist das sogenannte Dihydrat, bei dem zwei Wassermoleküle mit eingebaut sind. Rechnet man diese mit, sinkt der Magnesiumanteil auf rund 11,7 Prozent. Rohstoffspezifikationen für diese Form werden entsprechend mit etwa 11 Prozent Magnesium ausgewiesen.

Realistisch bewegt sich hochwertiges, reines Magnesium Bisglycinat also in einem Fenster von 11 bis 14 Prozent. Merk Dir diese Spanne. Sie ist Dein wichtigstes Prüfwerkzeug.

Was bedeutet es, wenn auf dem Etikett 18 oder 20 Prozent stehen?

Im Rohstoffhandel werden durchaus Pulver angeboten, die "Magnesium Bisglycinat" heißen und 18, 20 oder sogar 30 Prozent Magnesium enthalten. Das widerspricht allem, was Du gerade gelesen hast. Und tatsächlich gibt es dafür nur eine Erklärung.

Diese Pulver sind keine reine Verbindung, sondern eine Mischung. Dem echten Bisglycinat wird ein zweites, anorganisches Magnesiumsalz beigemischt, in aller Regel Magnesiumoxid. Magnesiumoxid ist ein sehr kleines Molekül und enthält rund 60 Prozent Magnesium, hebt den rechnerischen Gesamtwert der Mischung also kräftig an.

Zum Begriff, der Dir dabei begegnen wird: Die Branche nennt solche Mischungen "buffered", also gepuffert, und grenzt sie von "fully reacted" ab. Der Begriff ist Augenwischerei. Puffern bedeutet in der Chemie, einen pH-Wert stabil zu halten. Hier wird nichts stabilisiert, sondern gestreckt. Du solltest den Ausdruck trotzdem kennen, weil er auf Etiketten und in Rohstoffangeboten auftaucht.

Nach Angaben aus dem Rohstoffhandel besteht ein Pulver mit 20 Prozent Magnesium etwa zu 87 Prozent aus Bisglycinat und zu 13 Prozent aus Magnesiumoxid. Bei 30 Prozent Magnesium ist bereits rund ein Drittel des Pulvers Oxid.

Und hier liegt der eigentliche Haken: Der höhere Magnesiumanteil steht zwar auf dem Papier, kommt beim Körper aber nur zu einem kleinen Teil an. In einer Untersuchung an gesunden Probanden lag die Absorptionsrate von Magnesiumoxid bei rund 4 Prozent, während Magnesiumchlorid, Magnesiumlactat und Magnesiumaspartat deutlich besser abschnitten. Der Grund liegt weniger daran, ob sich Magnesiumoxid überhaupt löst, sondern daran, wie schnell: Der Vorgang verläuft in verdünnter Säure träge und unvollständig, ein erheblicher Teil wird wieder ausgeschieden.

Warum macht man das trotzdem? Weil es die Kapsel kleiner und das Produkt billiger macht. Ein Hersteller kann so eine Dosierung anbieten, die mit reinem Bisglycinat schlicht nicht in eine schluckbare Kapsel passt.

Ist das verboten? Nein. Magnesiumoxid ist ein zugelassener Stoff und darf verwendet werden. Das Problem ist nicht die Mischung, sondern die Kommunikation. Wenn der Oxidanteil nicht auf dem Etikett auftaucht, kaufst Du etwas anderes, als Du glaubst.

Dass das keine theoretische Sorge ist, zeigt ein Fall aus dem November 2025: Die kanadische Gesundheitsbehörde Health Canada rief ein Produkt namens "MapleLife Magnesium Bisglycinate 200mg" zurück. Der Grund im Behördendeutsch: nicht deklariertes Magnesiumoxid als Quelle des Wirkstoffs.

Übrigens hilft ein einfacher Labortest hier kaum weiter. Die üblichen Analysemethoden lösen die Probe vollständig in Säure auf und zerstören dabei genau die Bindungen, um die es geht. Am Ende steht dann nur "Magnesium gesamt" auf dem Zertifikat, ohne Auskunft darüber, woher es kam.

Warum sind 1.000 mg auf der Dose nicht 1.000 mg Magnesium?

Das ist die häufigste und teuerste Verwechslung im ganzen Magnesiummarkt.

Wenn auf einer Packung groß "1.000 mg Magnesium Bisglycinat" steht, dann sind darin bei reinem Rohstoff etwa 141 mg Magnesium enthalten. Der Rest ist Glycin. Der Unterschied ist der Faktor sieben.

Der Gesetzgeber hat das erkannt. Nach der europäischen Nahrungsergänzungsmittel-Richtlinie muss die Menge eines Mineralstoffs immer als elementares Magnesium in Milligramm angegeben werden, nicht als Menge der Verbindung. Die tägliche Referenzmenge liegt bei 375 mg Magnesium.

Eine Werbeaussage über die Verbindungsmenge ist damit nicht automatisch unzulässig. Sie darf die Pflichtangabe aber nicht ersetzen. Prüfe deshalb immer die Nährwerttabelle auf der Rückseite. Dort und nur dort steht die Zahl, die zählt.

So viel Rohstoff steckt hinter der Magnesiummenge (reines, wasserfreies Bisglycinat):

Magnesium auf dem Etikett Dafür nötiges Bisglycinat
100 mg rund 709 mg
150 mg rund 1.064 mg
200 mg rund 1.419 mg
300 mg rund 2.128 mg
375 mg (die volle Referenzmenge) rund 2.660 mg

Bei der wasserhaltigen Dihydratform liegen die Mengen noch einmal rund ein Fünftel höher.

Ein Hinweis zur Fairness gegenüber Herstellern: Für Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt der EU-Leitfaden zu Toleranzen eine Abweichung von plus 45 bis minus 20 Prozent gegenüber dem deklarierten Wert. Ein Laborwert, der etwas unter der Etikettangabe liegt, ist also noch kein Grund zur Aufregung.


Der Kapsel-Test: rechne einfach nach

Aus der Tabelle folgt ein praktischer Trick, für den Du kein Labor brauchst.

Eine Tagesdosis von 300 mg Magnesium aus reinem Bisglycinat benötigt über zwei Gramm Rohstoff. Zwei Gramm sind eine Menge Pulver. In eine große Hartkapsel passt je nach Rohstoff grob ein knappes Gramm. Das bedeutet: drei bis vier ordentlich große Kapseln pro Tag, oder ein Pulver zum Anrühren.

Drei große weiße Kapseln neben einer Ein-Euro-Münze und einem Häufchen Pulver in der Draufsicht als Größenvergleich

Wenn Dir also jemand zwei kleine Kapseln mit "300 mg Magnesium, zu 100 Prozent aus Bisglycinat" verkauft, dann geht diese Rechnung nicht auf. Entweder ist eine zweite Magnesiumverbindung im Spiel, oder die Angabe stimmt nicht.

Nebenbei: Bei 300 mg Magnesium nimmst Du gleichzeitig rund 1,8 Gramm Glycin auf. Das ist eine durchaus relevante Menge eines Eiweißbausteins, die im Marketing selten erwähnt wird. Eine gesundheitsbezogene Aussage dürfen wir dazu nicht treffen, denn für Glycin ist in der EU keine solche Angabe zugelassen.

Wird Magnesium Bisglycinat wirklich besser aufgenommen?

Hier trennen wir uns bewusst vom üblichen Werbeton, denn die Datenlage ist differenzierter, als beide Seiten des Marktes es gern hätten.

Was gut belegt ist: Magnesiumoxid wird schlecht aufgenommen. In einer Untersuchung an gesunden Probanden lag die Absorptionsrate bei rund 4 Prozent, während Magnesiumchlorid, Magnesiumlactat und Magnesiumaspartat deutlich höhere und untereinander vergleichbare Werte erreichten. Eine spätere Arbeit an 15 handelsüblichen Präparaten bestätigte das Bild: Das hochdosierte reine Magnesiumoxid-Produkt schnitt am schlechtesten ab, mit einem Serumanstieg von 4,6 Prozent gegenüber 6,2 bis 8,0 Prozent bei den übrigen Produkten.

Warum das so ist: Entscheidend ist nicht allein, ob sich eine Verbindung löst, sondern wie schnell. Magnesiumoxid ist in verdünnter Säure grundsätzlich löslich, der Vorgang verläuft aber träge und unvollständig, sodass ein erheblicher Teil den Darm passiert, ohne aufgenommen zu werden. Organische Magnesiumverbindungen lösen sich in aller Regel schneller und vollständiger. Genau deshalb erwies sich die Lösungsgeschwindigkeit einer Formulierung als besserer Vorhersagewert für die Aufnahme als der Magnesiumgehalt.

Was dagegen nicht belegt ist: Die oft wiederholte Aussage, Magnesium Bisglycinat sei "die am besten verfügbare Magnesiumform". Dafür fehlen belastbare Direktvergleiche an gesunden Erwachsenen in ausreichender Zahl.

Der einzige direkte Vergleich zwischen Bisglycinat und Magnesiumoxid am Menschen stammt aus dem Jahr 1994, ist also über 30 Jahre alt. Er fand zwischen beiden Formen keinen nennenswerten Unterschied, 23,5 gegenüber 22,8 Prozent Aufnahme. Diese Studie taugt allerdings kaum zur Verallgemeinerung: Sie hatte zwölf Teilnehmer, und alle hatten eine Darmoperation hinter sich, also eine veränderte Aufnahmesituation. Wer sie als Beweis für die Gleichwertigkeit von Magnesiumoxid heranzieht, überdehnt sie genauso wie diejenigen, die sie als Beweis für die Überlegenheit von Bisglycinat zitieren.

Auch die beliebte Erklärung, das Chelat werde als komplettes Molekül über einen eigenen Aufnahmeweg geschleust und umgehe so die Konkurrenz anderer Mineralstoffe, ist bislang eine Hypothese und kein bewiesener Mechanismus.

Unser ehrliches Fazit: Magnesium Bisglycinat ist eine gut und schnell lösliche, organisch gebundene Magnesiumform mit einem hohen Anteil eines körpereigenen Eiweißbausteins. Das spricht für diese Form, und gegen Magnesiumoxid spricht die schlechte Aufnahmerate klar. Für Superlative reicht die Datenlage trotzdem nicht, und wir werden hier keine verwenden.

Wie viel Magnesium am Tag ist sinnvoll?

Die Referenzmenge für die tägliche Zufuhr liegt in der EU bei 375 mg Magnesium. Sie bezieht sich auf die gesamte Zufuhr, also Essen und Nahrungsergänzung zusammen.

Für die zusätzliche Zufuhr über Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung eine Höchstmenge von 250 mg Magnesium pro Tag. Der Grund ist gut nachvollziehbar: Größere Mengen auf einmal können abführend wirken. Das Institut rät deshalb ausdrücklich, diese Menge auf mindestens zwei Portionen über den Tag zu verteilen. Denselben Wert von 250 mg hatte der wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU bereits 2001 abgeleitet.

Was über Magnesium überhaupt gesagt werden darf, ist ebenfalls geregelt. In der EU sind genau zehn gesundheitsbezogene Aussagen zugelassen, unter anderem, dass Magnesium zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung beiträgt, zu einer normalen Muskelfunktion, zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zur Erhaltung normaler Knochen. Diese Aussagen gelten dem Nährstoff Magnesium selbst. Einen eigenen zugelassenen Claim für Bisglycinat gibt es nicht, und niemand darf einen erfinden.

Woran Du ein ehrliches Magnesium Bisglycinat erkennst

Hände mit Bleistift über einem leeren Notizblock, daneben ein Glas Wasser auf einem Holztisch
  1. Suche die Elementmenge, nicht die Verbindungsmenge. In der Nährwerttabelle muss "Magnesium ... mg" stehen, samt Prozentangabe der Referenzmenge. Alles andere ist Werbetext.

  2. Rechne gegen. Magnesiummenge geteilt durch 0,14 ergibt die nötige Rohstoffmenge. Passt die nicht in die angegebene Kapselzahl, ist eine zweite Magnesiumverbindung im Spiel.

  3. Lies die Zutatenliste zu Ende. Taucht dort neben Bisglycinat noch Magnesiumoxid oder Magnesiumcarbonat auf, ist das völlig in Ordnung, aber Du kaufst dann eben kein reines Bisglycinat.

  4. Prüfe die Kombination aus "100 Prozent Bisglycinat" und hoher Dosierung in kleinen Kapseln. Für 300 mg Magnesium sind mindestens 2,1 Gramm Bisglycinat nötig; diese Menge passt in keine zwei Kapseln. Beides zusammen ist also nicht möglich.

  5. Frag nach dem Analysenzertifikat. Aussagekräftig sind Angaben zu Wassergehalt, freiem Magnesium und Lösungsgeschwindigkeit, nicht nur ein Gesamtwert. Bioverfügbarkeit kann ein Analysenzertifikat übrigens nicht ausweisen; sie wird am Menschen gemessen, nicht am Pulver.

  6. Achte auf die Tagesaufteilung. Ein Produkt, das die empfohlene Menge auf zwei Portionen verteilt, arbeitet näher an der behördlichen Empfehlung als eines, das alles in eine Kapsel presst.

Häufige Fragen

Ist Magnesiumglycinat dasselbe wie Magnesium Bisglycinat?

Ja. Magnesiumglycinat, Magnesium Bisglycinat und Magnesiumdiglycinat bezeichnen dieselbe chemische Verbindung; die Stoffdatenbank PubChem führt alle drei Namen unter einem einzigen Eintrag mit der Nummer CID 84645. Die Vorsilbe "Bis" benennt lediglich die zwei Glycinat-Bausteine, die ein Magnesium-Ion binden. Ein Qualitätsunterschied zwischen den Bezeichnungen besteht nicht.

Wie viel Prozent Magnesium enthält Magnesium Bisglycinat?

Reines, wasserfreies Magnesium Bisglycinat enthält 14,1 Prozent elementares Magnesium. Der Wert ergibt sich aus der Molmasse von 172,42 g/mol, von der nur 24,3 g/mol auf Magnesium entfallen. Als wasserhaltiges Dihydrat sinkt der Anteil auf rund 11,7 Prozent. Handelsübliche Rohstoffe liegen deshalb zwischen 11 und 14 Prozent.

Kann Magnesium Bisglycinat 20 Prozent Magnesium enthalten?

Nicht als reine Verbindung, denn 14,1 Prozent sind die stöchiometrische Obergrenze. Werte von 18 bis 30 Prozent entstehen durch Zumischung von Magnesiumoxid; solche Mischungen heißen im Rohstoffhandel "buffered". Die Beimischung ist zulässig, muss aber deklariert werden. Health Canada rief im November 2025 ein Produkt zurück, dessen Magnesiumoxid-Anteil nicht auf dem Etikett stand.

Was bedeutet "buffered" bei Magnesium Bisglycinat?

"Buffered" bezeichnet im Rohstoffhandel eine Mischung aus echtem Magnesium Bisglycinat und einem anorganischen Magnesiumsalz, meist Magnesiumoxid, mit einem Gesamtmagnesiumgehalt von 18 bis 30 Prozent. Der Begriff ist irreführend, denn Puffern bedeutet in der Chemie das Stabilisieren eines pH-Werts. Hier wird nichts stabilisiert, sondern der rechnerische Magnesiumgehalt angehoben.

Wie viel Magnesium Bisglycinat entsprechen 300 mg Magnesium?

Rund 2.128 mg reines, wasserfreies Magnesium Bisglycinat liefern 300 mg elementares Magnesium; gerechnet wird mit dem Faktor 1 geteilt durch 0,141. Bei der wasserhaltigen Dihydratform sind es etwa 2.573 mg. Diese Menge passt nicht in eine einzelne Kapsel, sondern erfordert drei bis vier große Kapseln oder ein Pulver.

Warum sind Kapseln mit Magnesium Bisglycinat so groß?

Weil Magnesium Bisglycinat zu rund 86 Prozent aus Glycinat besteht und nur zu 14 Prozent aus Magnesium. Für 200 mg elementares Magnesium werden bereits rund 1.419 mg Rohstoff benötigt. Kleine Kapseln mit hoher Magnesiumangabe enthalten deshalb fast immer zusätzlich ein anorganisches Magnesiumsalz wie Magnesiumoxid.

Woran erkenne ich, ob einem Magnesium Bisglycinat Magnesiumoxid beigemischt wurde?

Teile die auf dem Etikett angegebene Magnesiummenge durch 0,14; das Ergebnis ist die Menge Magnesium Bisglycinat, die tatsächlich enthalten sein müsste. Passt diese Menge nicht in die angegebene Kapselzahl, ist eine zweite Magnesiumverbindung im Spiel. Ein Blick in die Zutatenliste auf Magnesiumoxid oder Magnesiumcarbonat bestätigt den Verdacht.

Ist Magnesium Bisglycinat in der EU zugelassen?

Ja. Magnesiumbisglycinat ist in Anhang II der EU-Richtlinie 2002/46/EG namentlich als zulässige Magnesiumquelle für Nahrungsergänzungsmittel aufgeführt. Die Menge muss auf dem Etikett als elementares Magnesium in Milligramm angegeben werden, nicht als Menge der Verbindung. Die Referenzmenge für Magnesium beträgt 375 mg pro Tag.

Wie viel Magnesium darf ich über Nahrungsergänzungsmittel ergänzen?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt in seiner Stellungnahme von 2017 höchstens 250 mg Magnesium pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln und rät, diese Menge auf mindestens zwei Portionen zu verteilen. Denselben Wert leitete der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU bereits 2001 ab. Größere Einzelmengen können abführend wirken.

Wird Magnesium Bisglycinat besser aufgenommen als Magnesiumoxid?

Magnesiumoxid wird nachweislich schlecht aufgenommen: In einer Untersuchung an gesunden Probanden lag die Absorptionsrate bei rund 4 Prozent, deutlich unter der von Magnesiumchlorid, Magnesiumlactat und Magnesiumaspartat. Organische Magnesiumformen wie Magnesium Bisglycinat lösen sich schneller und vollständiger. Ein direkter Vergleich beider Formen an gesunden Erwachsenen fehlt bislang; die einzige Vergleichsstudie von 1994 untersuchte zwölf darmoperierte Patienten.


Magnesium Bisglycinat von nuPurea

Der Artikel oben ist bewusst herstellerneutral geschrieben. Wenn Du die sechs Prüfpunkte auf unser eigenes Produkt anwenden möchtest: Wir deklarieren ausschließlich elementares Magnesium, nennen die eingesetzte Verbindung im Klartext und legen das Analysenzertifikat offen.

[Hier Produkt/Kategorie verlinken]


Quellen

  1. Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel, konsolidierte Fassung, Anhang II Abschnitt B (Eintrag "Magnesiumbisglycinat") und Artikel 8 (Mengenangabe in Einheiten des Anhangs I). EUR-Lex
  2. PubChem, Compound CID 84645 "Magnesium glycinate": Summenformel C4H8MgN2O4, Molmasse 172,42 g/mol, CAS 14783-68-7, Synonyme Magnesiumbisglycinat und Magnesiumdiglycinat. PubChem
  3. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (Lebensmittelinformationsverordnung), Anhang XIII: Referenzmenge Magnesium 375 mg pro Tag. Verordnungstext
  4. Verordnung (EU) Nr. 432/2012: Liste der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben, Einträge zu Magnesium. EUR-Lex
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung, Stellungnahme vom 12.12.2017: Höchstmenge von 250 mg Magnesium pro Tag in Nahrungsergänzungsmitteln, verteilt auf mindestens zwei Einzelgaben. BfR
  6. Scientific Committee on Food der EU, Stellungnahme vom 26.09.2001: Tolerable Upper Intake Level von 250 mg Magnesium pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln. Originaldokument
  7. Europäische Kommission, Leitfaden zu Toleranzen bei Nährwertangaben, Dezember 2012: Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln plus 45 bis minus 20 Prozent. EU-Kommission
  8. Health Canada, Rückruf vom 26.11.2025: "MapleLife Magnesium Bisglycinate 200mg", Rückrufgrund nicht deklariertes Magnesiumoxid. Health Canada
  9. Firoz M, Graber M: Bioavailability of US commercial magnesium preparations. Magnesium Research 2001;14(4):257-262. Absorptionsrate Magnesiumoxid rund 4 Prozent. Europe PMC
  10. Blancquaert L, Vervaet C, Derave W: Predicting and Testing Bioavailability of Magnesium Supplements. Nutrients 2019;11(7):1663. PMC
  11. Schuette SA, Lashner BA, Janghorbani M: Bioavailability of magnesium diglycinate vs magnesium oxide in patients with ileal resection. JPEN J Parenter Enteral Nutr. 1994;18(5):430-435. Europe PMC
  12. Rohstoffspezifikation Magnesiumbisglycinat-Dihydrat, 11 Prozent Magnesium, Molmasse 208,42 g/mol. Vita Actives
  13. Branchenübersicht zu "fully reacted" gegenüber "buffered" Magnesiumbisglycinat, inklusive Mischungsverhältnissen und Hinweisen zur Analytik. Maxmedchem

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.


Hinweis & Disclaimer
Die Inhalte dieses Blogs dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Weiterbildung im Bereich Ernährung, Lifestyle und Nahrungsergänzungsmittel. Sie stellen keine medizinische, ernährungswissenschaftliche, therapeutische oder heilkundliche Beratung dar und ersetzen in keinem Fall die individuelle Beratung durch einen Arzt, Apotheker, Ernährungsberater, Ökotrophologen oder einen anderen qualifizierten Fachmann.
🩺 Die hier dargestellten Informationen sind nicht geeignet, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder vorzubeugen.
🥗 Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.
💊 Vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln – insbesondere bei bestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern und Jugendlichen – sollte unbedingt ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden.
📊 Die Wirkung von Nährstoffen und Nahrungsergänzungsmitteln kann von Person zu Person unterschiedlich ausfallen. Es werden keine Erfolgs- oder Wirksamkeitsgarantien abgegeben.
Haftungsausschluss: Die Autoren und der Betreiber dieses Shops übernehmen keine Haftung für Schäden oder Nachteile, die durch die Anwendung, Nichtanwendung oder Fehlanwendung der hier bereitgestellten Informationen entstehen könnten.
Quellen & Aktualität: Quellen und Studien werden – soweit möglich – transparent angegeben. Dennoch erheben die Inhalte keinen Anspruch auf Vollständigkeit, absolute Richtigkeit oder ständige Aktualität.
Bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt oder Apotheker Ihres Vertrauens.